Warum “10 Gründe nicht zu bloggen” entstand:
Der neue verkaufsfördernde Hype der Geldmaschine Riesenmaschine um das Prekariat die digitale Boheme geht sum1 ziemlich auf den Sack. Dabei habe ich den erst seit Gestern so richtig begriffen.
Kurz zusammengefasst: Arbeiten in Festanstellung ist blöd (gibts ja eh kaum für die jüngeren Generationen also warum nicht gleich blöd finden was eh nicht geht) und “in Internet machen”, “selbstbestimmt” und in eigenen Projekten am Rattenrennen teilnehmen ist supi.
“Selbstbestimmt” meint hier soviel wie ich muss mich selbst antreiben morgens aus dem Bett zu kommen, kein Chef scheißt mich an, ich kann statt im blöden Büro das ich mir eh nicht leisten kann im tollen Berlin Mitte-Szene Cafe neben 20 anderen Laptop-Zombies sitzen die seit 4h eine Latte lutschen trinken und wenn ich am 1. noch genug Geld habe, dann kann ich sogar selbst ganz bestimmt meine Krankenversicherung zahlen. Freunde brauche ich auch nicht mehr, denn ich habe ja mein Blog über den ich der ganzen Welt mitteilen kann wie allein toll ich bin. Abends nach den 12h am Rechner pfeife ich mir noch was rein und dann geht es in den After Work coolen Club um die Ecke um mich einzuschleimen “Networking” zu betreiben für weitere Projekte.
sum1 hätte sich nicht an der Buch-Werbekampagne beteiligen müssen mit zusäzlicher Publicity, ja wenn nicht gestern einer gekommen wäre und meinte: “Hey, wenn einer digitale Boheme ist, dann du!”
Was beim urbanen Penner wenigstens noch etwas verwegen klang, beim Prekariat politisch und bei der Unterschicht dreckig, feige und gemein, das klingt hier lediglich wie ein Etikett beim 99 Cent Identitäten-Shop.
Deswegen gibt es erst einmal ein Paar Gegenthesen zu den “Wir nennen es Arbeit“-Karrieristen, diesmal in Bezug auf den enthusiastisch-lehrreichen Beitrag: 10 Gründe, warum jeder bloggen sollte
10 Gründe nicht zu bloggen
1. Das Internet ist erst so alt wie Kinder in der Pubertät. Du bist alt und hast eh keinen Draht zu Deinen Kindern. Aber, es gibt eine Möglichkeit zu ihnen Kontakt aufzunehmen, übers Internet! Schreib einen Blog über Deine Kinder damit auch sie die Möglichkiet haben mit Dir zu kommunizieren während Du den ganzen Tag im Cafe abhängst arbeitest! Ach, scheiße, das ist ja ein Grund fürs Bloggen! Verdammt.
2. Riesenmaschinen, Geldmaschinen ähemmm, Suchmaschinen wie Gockel bestimmen schon jetzt über Dein Schicksal. Wenn auf Platz 1 unter dem Namen von Lieschen Müller die Homepage von Osama Bin Laden kommt, kann sie das nur verhindern wenn sie einen Antiterror-Blog macht. Ach schon wieder ein Pro-Grund. Also nochmal: Stell Dir vor, Google weiss Alles über Dich. Du hast etwa gebloggt, Du fändest einen Film scheiße. 10 Jahre später bewirbst Du Dich für einen Job, Dein potentieller Chef googelt sucht Deinen Namen etwa bei Yahoo und stellt fest, dass Du ausgerechnet über seinen Lieblingsfilm herziehst! Tja.
3. Stellen Sie sich vor Sie haben einen Chat ein Date mit einem potentiellen Partner. Dieser sieht, dass Sie Du einen Blog hast und merkt, dass Du über seinen Lieblingsfilm herziehst auf abseitige sexuelle Praktiken stehst? Tja. Möglicherweise kommt Dein erstes letztes Date seit 10 Jahren nicht zustande, aber dafür gibts doch Sexblogs!
4. [editiert! Warum?] Früher spielte man mit anderen Schach im Schachclub. Nun geht das nicht mehr, stattdessen schreibst Du einen Blog über Schach und wenn Du Glück hast, spielst mal nicht gegen Deinen Schachcomputer sondern gegen einen echten Spieler am anderen Ende der Leitung, in Australien etwa. Ist das jetzt pro oder contra? Hmmm.
5. Früher reichte es aus einmal ein Sachbuch zu verfassen um lebenslang als Experte auf diesem Gebiet zu gelten. Heute musst Du Dein Leben lang einen Blog zum Thema führen, am besten täglich, sonst bist Du weg vom Fenster. Mist, schon wieder pro.
6. Blogs sind Gratis-Kontaktanzeigen! Hatten wir das nicht bei 3. schon? Muss ich jetzt Felix Schwenzel zitieren um
mehr Besucher zu bekommen? Brauche ich nicht, ich habe jetzt selber 600 pro Tag, sogar Sonntags. Wenn Du schon alle Peinlichkeiten Deiner/s Zukünftigen wissen willst, oder schon alles über Dich verraten willst, dann scheiß auf die Romantik und raus mit der schmutzigen Wäsche.
7. Es gibt natürlich Fantastillionen Gründe zu kommunizieren, etwa wenn Deine Katze krank ist, oder Dein Hund, oder die Bild irgend einen Scheiß verzapft hat. Warum sollten man nicht einfach die Kommunikation verweigern, mit Niemand darüber reden und es stattdessen bloggen?
8. Es gibt. Es gibt! Es gibt keine bessere Möglichkeit seinem Chef mitzuteilen, dass man seinen Lieblingsfilm bescheuert findet als einen Blog! Das hat sich insbesondere bewährt bei Projekten und in Arbeitsgruppen. Damit können die Chefs besser überwachen was die Lohnsklaven Teammitglieder so tun. Das beste ist aber: Wenn Du ein Teammitglied mobben willst, meldest Du Dich unter seinem Namen im Blog an und ziehst über den Lieblingsfilm von Deinem Chef her!
9. Bertolt Brecht, ein berühmter deutscher Kommunist Schriftsteller meinte einmal der Volksempfänger sollte auch Volkssender werden. Damit man Adolf auch seine Meinung sagen kann, das die Unterschicht, Ausländer, Islamofaschisten, Juden ja gar nicht sooo dreckig sind, die können ja alle nichts dafür, dass sie die Leitkultur und so nicht haben da unten im Busch oder wo die alle herkommen. So könnte Adolf natürlich die Daten auf Vorrat speichern und alle unliebsamen Blogger gleich ins KZ schicken.
10. Es macht einfach sooo viel Spaß täglich 1, 2 oder 3h Stunden länger am Rechner zu sitzen um zu bloggen. Natürlich kann man eine Geldmaschine, Riesenmaschine bauen wo all die anderen für einen schreiben wenn man selber einen lukrativeren Zeitvertreib (Buch schreiben) gefunden hat.
Wow, für diesen selbstbestimmten Beitrag habe ich selbst ganz bestimmt 2h meiner Zeit vergeudet. Hätte ich doch den Beitrag vorab lesen können um zu wissen, dass bloggen blöd ist.